Satz & Vers

Weihnachten kann kommen: Rutenwirrwarr

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„Dieses Jahr bin ich grundunartig gewesen, ich habe über Herkunft geschrieben, noch dazu die eigene, die, wie jede andere auch, familiär und regional belastet ist.“

So beginnt die Erzählung Rutenwirrwarr, erschienen in der Anthologie Weihnachten kann kommen. Eine Frau macht sich Gedanken über Strafe und Androhung solcher am wichtigsten Familienfest des Jahres. Und ihr Kind, das sich keine Vorstellung machen kann von einem Prügelinstrument in Zusammenhang mit Feiern und Schenken, denkt in eine erfrischende Richtung, fern von Schuld und Gewalt.

Weihnachten kann kommen. Neue Geschichten. suhrkamp tb 4463, Berlin 2013

In Schwefelhölzchen tönt es prophezeiend aus dem Mund der Ex: „Koch dir was, kauf eine Tanne, wir haben uns nicht getrennt, um an Heilgabend scheinheilig den Glanz auf Kind und Kugeln zu betrachten, oder willst du, dass wir in Flammen aufgehen?“ Der gehörnte Ehemann muss Weihnachten ohne sein Kind verbringen und macht sich, zunehmend betrunkener, Gedanken über Sinn und Unsinn von Patchworkmodellen in modernen Paarbeziehungen.

Der 24. Dezember. Neue Weihnachtsgeschichten. Suhrkamp tb 4281, Berlin 2011

Die Erzählung Wann, wenn nicht heute behandelt ebenfalls ein Trennungsthema, hier nicht zum Zeitpunkt des Weihnachtsfestes, sondern kurz danach:

„Ella nahm sich fürs kommende Jahr nichts Gutes vor, sie hatte im laufenden und noch sechs Stunden andauernden bereits ordentlich Vorarbeit geleistet, sie hatte sich letztes Silvester vorgenommen, kein weiteres Kind zu bekommen, und bekam es auch nicht, und als sie Ende August erneut auf dem gynäkologischen Stuhl lag und auf den Anästhesisten wartete, war sie sicher, dass sich schlechte Vorsätze disziplinierter angehen ließen als gute, sie fühlte sich hundsmiserabel darin bestätigt.“

Gute Vorsätze, schlechtes Karma. Geschichten vom Ende des Jahres. Suhrkamp tb 4026. Frankfurt a.M. 2008

Bildquellen

  • weihnachtsbeere: Markus Thiele/mtfilmdesign.de