Satz & Vers

Für Weltraum-Fans: Planetengedichte

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Anlässlich der erfolgreichen Landung von Philae auf dem Kometen Tschuri nach mehr als zehnjähriger Reise stelle ich Euch eins meiner 9 Planetengedichte vor, entstanden, als Pluto vom Planet zum Zwergplanet heruntergestuft wurde – deshalb 9 statt 8 – und große Anteilnahme in der Weltbevölkerung herrschte. Man sprach von der Degradierung zum Gnom, dem Ausschluss aus der Gesellschaft unseres Sonnensystems. Hier nun Auftritt des personifizierten Mars:

IV
Promethei Planum, Mars, Mars Express, 2008

Unzeitzeitalter, kältestarrer Trockenkeks!
Schluss, Ende, störrisch genug du, stürmen wir dich!
Vorerst ohne nukleare Verseuchung,
obwohl Krieg dir auf die Stirn geschrieben,
Blutfleck am Himmel!
Man taut dich erst einmal auf, das Schlachten
kommt später. Spiegel kreisen dich ein, große,
das Sonnenlicht bündelnde Reflektoren.
Die Strahlung trifft dich wie glühende Klingen:
Terraforming, erste Stufe. Wir schwitzen.
Rechner wandeln dreidimensionale Eisfelder um
in flaches Begehren, es tropft der Zahn,
Fortpflanzung kennt wieder ein Ziel:
Bei Abschmelze deine Oberfläche elf Meter
unter Wasser. Ein Traum von Leben!
Minimal Methan in der Luft: Leichter
Vulkanismus? Heißblut vielleicht
unterm Mantel, zeig her,
Mikroorganisches könnte verwesen.
In Arizona versucht sich
eine Glashausbiosphäre bereits an sich selbst.
Nur deine Monde… Die Angst
geht zweimal am Tag auf und unter, ihr Bruder,
der Schrecken, wie Damokles’ Schwert,
verhängt Selektion über uns: Nur wer reich
und rein ist fürs göttliche Marsgeschlecht
der Müllkugel Erde entfliehn darf.

Bildquellen

  • galaxies: creative commons license