Katz & Maus, Logbuch der Paradoxa

Dunkel war’s, der Mond schien helle

Nachts in einer Kreuzberger Bar. Der Mann, der neben mir steht und ins Gespräch vertieft scheint, dreht sich zu mir um. Fragt nach meinem Parfüm. Ich, perplex, meine sofort, der Duft sei aufdringlich. Frauen denken sowas, sagen die Frauenmagazine. Negativ von sich selbst. Ich nenne souverän den Namen des Parfüms, vielleicht will er es seiner Freundin schenken. Er kenne diesen Duft, sagt er, aber nur an sehr jungen Frauen. Ich sage, Kopfnote Maiglöckchen. Er dreht sich wieder um.

Die Kopfnote ist der Zustand der Duftentfaltung unmittelbar nach dem Auftragen. Ich sollte eine Stunde warten, bevor ich die Wohnung verlasse, das Maiglöckchen welken lassen, meinem Alter gemäß. Aber nun rieche ich nach Girlie, die Meute reckt ihre Schnauzen in alle Richtungen hin zum intensivsten Punkt, an dem ich auf meinem Barhocker sitze wie Erika an Herbstzeitlose. Das sind Blumen, von denen ich denke, der Name sei Programm. Der Typ dreht sich wieder zu mir und fragt, was ich noch mache, vielleicht mit zu ihm?

Ein Sören stellt sich mir vor, will sich setzen, muss aber noch seine Jacke holen wegen der Brieftasche drin. Kein Berliner Mann, denke ich, sagt gleich zu Beginn wie er heißt.

Ich warte. Etliche Minuten später kommt ein anderer in schwarzrotem Holzfällerhemd. Marius, sagt er und reicht mir die Hand. Es sei seine Brieftasche, um die es hier ginge, damit käme sein Freund auf keinen Fall zu mir.

Ein weiterer männlicher Gast tritt an die Theke mit einem Portemonnaie in der Hand. Sagt, er möchte gerne erzählen. Der Barkeeper stutzt, yes, sagt der Gast, ich möchte erzählen. Das heißt bezahlen, to tell in german doesn’t mean to pay. Really? Bezählen? Seit vier Tagen sei er aus U.S. in Berlin, und immer sage er, er möchte erzählen. In this case, you’d better put a hat on your table.

Ich möchte auch erzählen, nicke ich dem Barmann zu.
Any idea, which role my wallet is playing in this story?